Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
am vergangenen Montag wurde die kleinräumige Bevölkerungsprognose und Sozialraumanalyse des Landkreises ERH im Sitzungssaal vorgestellt. Neben sehr allgemeinen Aussagen zu Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur wurde der "Sozialstatus" des Landkreises mit überdurchschnittlich gut beurteilt. Arbeitslosenquote, AL-II-Empfänger, Empfänger von Leistungen der Jugendhilfe und Jugendkriminalität weisen deutlich unterdurchschnittliche Werte auf, wohingegen das Pro-Kopf-Einkommen überdurchschnittlich hoch liegt. Die Jugendarbeit im Landkreis einschließlich der Aktivitäten der Gemeinden wird positiv beurteilt. Die Scheidungsrate im Landkreis liegt dagegen auf Rangziffer 1 in Bayern. Mögliche Effekte der sich abzeichnenden Rezession sind in den vorgelegten Daten nicht berücksichtigt.
Erfreulicherweise sind weder für den Landkreis noch für die Stadt Herzogenaurach auffällige soziale Brennpunkte festzustellen.
Herzogenaurach weist einen deutlichen Schwerpunkt bei den Alleinerziehenden auf. Für die unter Dreijährigen hat das Jugendamt des Landkreises bis 2013 eine "Deckungslücke" von 84 Plätzen errechnet, um die vom Bundesfamilienministerium vorgegebene Betreuungsquote von 35% zu erreichen. Bis 2025 werden statistisch 546 zusätzliche Pflegebedürftige in der Altersgruppe der über 80jährigen erwartet. Da am Montag hierzu offensichtlich Unklarheit bestand - sind bei diesen Bedarfszahlen in Herzogenaurach vorhandene Kapazitäten bereits berücksichtigt oder handelt es tatsächlich um einen offenen Bedarf?
Das Kreisjugendamt hat die Absicht bekundet, die Kooperation mit den Schulen zu verstärken. Welche Maßnahmen sind hier konkret beabsichtigt?
Ebenfalls wurde vorgeschlagen, mehr "generationenübergreifende" Projekte zu realisieren. In der Diskussion wurde deutlich, daß hier für die Stadt nur begrenzte Einflußmöglichkeiten bestehen.
Nach Aussage des Kreisjugendamtes können absolute Zahlen (z.B. die Zahl der Alleinerziehenden) aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben werden. Aus Indexzahlen, die sich auf einen Landkreisdurchschnitt beziehen, lassen sich kaum sachdienliche Handlungsempfehlungen ableiten.
Bei der Vorstellung anwesende Vertreter der Herzogenauracher Schulen haben den Wunsch geäußert, in vergleichbarer Weise auch eine "Bildungsraumanalyse" vorzunehmen, um die Daten als Hilfestellung bei der Anpassung oder Ergänzung von Bildungsangeboten (Schulen, VHS) verwenden zu können.
Wir bitten darum, Handlungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten auf einer der nächsten Sitzungen des Stadtrates zu erörtern.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Horst Körner
Fraktionsvorsitzender